Die Zunge – ein talentiertes Organ

Die menschliche Zunge ist ein Multifunktionswerkzeug. Ohne sie wären Sprechen, Essen, Schlucken und Schmecken unmöglich. Die Zunge verfügt über vielerlei unterschiedlich in ihren Aufgaben verteilte Rezeptoren (Sinneszellen), die uns im Wesentlichen die Geschmacksempfindungen süß, sauer, salzig, bitter und herzhaft-würzig unterscheiden lassen. Der Zungenrücken bekommt seine raue Struktur durch eine Vielzahl so genannter Papillen, an denen sich bei der Geburt insgesamt rund 10.000 Geschmacksknospen befinden. Ihre Zahl nimmt im Laufe des Lebens kontinuierlich ab, bis schließlich nur noch rund 2.000 dieser Geschmacksknospen vorhanden sind. Die Zunge mit ihrer rauen, furchigen Oberfläche bietet einen idealen Nährboden für Bakterien aller Art. So ist es nur logisch, dass sich 60 bis 80 Prozent aller Bakterien, die den Mundraum besiedeln, auf der Zunge finden. Hier können sie sich, von den herkömmlichen Mundhygieneaktivitäten wie Zähneputzen und Zahnzwischenraumreinigung völlig unbehelligt, in aller Ruhe ansiedeln und vermehren. Da sich in den Furchen des Zungenrückens auch Speisereste und abgestorbene Hautzellen anlagern, finden die Bakterien reichlich Nahrung, die sie aufnehmen und durch Stoffwechselprozesse zersetzen. Bei diesem Vorgang entstehen schwefelhaltige und damit übel riechende Gase. Wenn nun die Zahl der Bakterien auf dem Zungenrücken überhandnimmt, steigt auch die Konzentration dieser Gase und Mundgeruch entsteht.

 

Mundgeruch – ein Problem für Millionen

Studien belegen, dass rund jeder vierte Deutsche gelegentlich, sechs Prozent sogar dauerhaft an Mundgeruch leiden (Seemann 2002). Obwohl diese Zahlen zeigen, dass Halitosis, wie der schlechte Atem in der Fachsprache heißt, weit verbreitet ist, gibt es immer noch viel Aufklärungsbedarf. Wesentliche Erkenntnis: Mundgeruch entsteht in neun von zehn Fällen in der Mundhöhle direkt. Wer medizinische Hilfe sucht, sollte also immer seinen Zahnarzt zuerst ansprechen. Doch bei weitem nicht jeder Zahnmediziner kennt sich auch mit Mundgeruch und seiner effektiven Behandlung aus. Bisher gibt es in Deutschland – anders als in den USA – nur sehr wenige Mundgeruchsprechstunden.

 

Ursache Bakterien

Verursacher des schlechten Atems sind Bakterien, beziehungsweise deren Stoffwechselprodukte, die u. a. bei der Zersetzung von Nahrung im Mund, insbesondere auf der Zunge, entstehen. Dabei werden übel riechende Schwefelverbindungen freigesetzt. Vermehren sich diese Bakterien in der Mundhöhle bzw. werden nicht regelmäßig entfernt, kann Mundgeruch entstehen. Neben mangelhafter Mundhygiene sind Faktoren, die Mundgeruch fördern, unter anderem: schadhafte Zähne, Entzündungen der Mundschleimhaut, zu geringer Speichelfluss, Mundatmung, Schnarchen, Alkohol und Rauchen.

Einfache Gegenmaßnahmen

Zur Bekämpfung von bakteriell bedingtem Mundgeruch muss die Bakterienbesiedlung des Mundraumes eingedämmt werden. Rückzugsnischen, in denen sie sich bisher ungestört entwickeln konnten, werden identifiziert und gereinigt. Dazu gehören zum Beispiel die Sanierung schadhafter Kronen und Füllungen sowie die Behandlung von Karies und Parodontitis. Weitere wichtige Maßnahmen sind der Einsatz eines Zungenreinigers und antibakterieller Mundspülungen sowie die professionelle Entfernung von Belägen – auch aus den Zahnzwischenräumen – und Zahnstein. Die meisten Hausmittel, wie das Kauen von Kaugummi, Petersilie oder Gewürznelken, überdecken dagegen den schlechten Atem nur, ohne seine Ursache zu bekämpfen.

Zungenreiniger

Deshalb empfehlen Mundgeruchsexperten, sich die Zunge nach Möglichkeit 2 bis 3-mal täglich zu reinigen. Dazu gibt es, unter anderem in Drogeriemärkten und Apotheken, spezielle Zungenreiniger. Diese sollten der Zungenform angepasst, sehr flach und nicht zu scharfkantig sein. So erreichen sie auch das empfindliche hintere Drittel der Zunge, den so genannten dorsalen Bereich, ohne einen Würgereiz auszulösen. Hier sind die Vertiefungen der Zunge stärker ausgeprägt und der Bakterienrasen deshalb besonders dicht. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Instrumente, die die Funktionen Bürsten und Schaben vereinen, die besten Ergebnisse erzielen. Denn durch Bürsten löst man zunächst die Bakterienbeläge und kann sie dann mit dem Schaber gründlicher von der Zungenoberfläche ziehen.

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Welches Gerät ist das richtige?

Die Industrie stellt die unterschiedlichsten Instrumente zur Reinigung des Zungenrückens her. Da fällt die Auswahl oft schwer. Hier einige Hinweise, die die Orientierung erleichtern sollen:

  • Wichtig ist die einfache Reinigung: Zu lange und zu dichte Borsten sowie Stoffpads oder Lamellen bieten Rückzugsnischen für Bakterien.
  • Eine Zahnbürste ist keine Zungenbürste. Sie haben nicht die optimale Form, sind z.B. zu hoch und lösen deshalb leicht einen unangenehmen Würgereflex aus. Mit ihnen erreicht man nicht den hinteren Bereich der Zunge.
  • Reine Zungenbürsten lösen zwar die Beläge, transportieren sie aber nicht effektiv ab. Reine Zungenschaber können nur ohnehin schon loses Material beseitigen. Tiefer in den Zungenpapillen sitzende Beläge bleiben an Ort und Stelle. Deshalb immer eine Kombination aus beidem wählen.
  • Achtung! Die Zunge ist ein sensibles Organ. Zungenschaber mit zu scharfen Kanten oder aus Metall können Papillen und Geschmacksknospen verletzen. Das gilt auch für einen umgedrehten Löffel.
  • Bei regelmäßigem Gebrauch sollte ein Zungenreiniger spätestens alle acht Wochen gewechselt werden.