Was sind die Gründe für Mundgeruch und was hilft dagegen?

Mundgeruch ist eine unangenehme Sache und den Betroffenen oftmals peinlich. Aber wie kommt es überhaupt zu diesem Problem und was kann man dagegen tun? Wir geben handfeste Tipps zur Bekämpfung von Mundgeruch und präsentieren eine ganze Reihe wissenswerter Fakten zum Thema – von der Begriffsbestimmung über Ursachen bis hin zu den richtigen Hilfsmitteln für die Mundhygiene.

Mundgeruch – was ist das?

Halitosis, wie Mundgeruch in der medizinischen Fachsprache heißt, bezeichnet einen üblen Geruch der ausgeatmeten Luft. Dieses Krankheitsbild ist abzugrenzen vom sogenannten Foetor ex ore („Gestank aus dem Mund“). Dieser rührt von Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder der Mandeln, von Bronchitis, Lungenkrankheiten, Magen- und Darmkrankheiten, Nieren- und Blasenleiden oder anderen Störungen außerhalb des Mundes her.

Meist ist der Mundgeruch der Grund für unangenehme Gerüche aus dem Mund (Tab. 1).

Tabelle 1: Ursachen für Mundgeruch

Ausgangspunkt für Mundgeruch Anteil bezogen auf die Diagnosen
Mund

ca. 85 %

Hals-Nasen-Ohren-Bereich
(z.B. Nasennebenhöhlen, Mandeln)
ca. 10 %
innere Organe (z.B. Magen, Darm) ca. 5 %

 

Wie weit ist Mundgeruch verbreitet?

Mundgeruch tritt auf der ganzen Welt mit ähnlicher Häufigkeit auf (Tab. 2).

Tabelle 2: Auftreten von Mundgeruch in Prozentzahlen

Ausprägung von Mundgeruch

Anteil der Betroffenen

temporär

25 %

chronisch

6 %

 

Demnach dürfte Mundgeruch nicht in erster Linie etwas mit dem Wohnort oder der regionalen Zusammensetzung des Speiseplans zu tun haben. Ein Risikofaktor für Mundgeruch liegt im Alter: Ältere Menschen sind häufiger von Mundgeruch betroffen als jüngere.

Eine gute Nachricht für viele, die unter Mundgeruch zu leiden glauben: Bei einem Viertel von ihnen lässt sich der Mundgeruch nicht nachweisen; es handelt sich um eine „eingebildete Krankheit“ (Pseudohalitosis, Halitophobie).

Was kann der Grund für Mundgeruch sein?

Um zum Grund für Mundgeruch zu gelangen, müssen wir zunächst wissen, was genau wir als Mundgeruch wahrnehmen. Die medizinisch-chemische Analyse sagt uns: Es sind flüchtige schwefelhaltige Verbindungen, daneben weitere Kohlenwasserstoff-Verbindungen (z.B. Amine, Aromaten, Alkohole, Karbonsäuren).

Diese Verbindungen stellen bestimmte Bakterien (z.B. Solobacterium moorei) als Stoffwechselprodukte her. Als Ausgangsstoffe dienen ihnen dafür schwefelhaltige Aminosäuren aus Nahrungsresten, Speichel- und Blutbestandteilen.

Die Verursacher von Mundgeruch mögen es trocken und sauerstoffarm. So gedeihen die besagten Bakterien am besten bei Menschen (1) mit einem ausgeprägten und stark anhaftenden Biofilm (Belag, Plaque) auf Zähnen, Zahnfleisch und Zunge und (2) mit Mundtrockenheit.

Mundtrockenheit kann zum Beispiel durch bestimmte Medikamente begünstigt werden, weswegen sie tendenziell eher die Älteren trifft. Nur in seltenen Fällen ist eine eigenständige Grunderkrankung verantwortlich (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenfehlfunktion).

Bakterien im Mund können für Mundgeruch sorgen.

Bakterien im Mundraum stellen schwefelhaltige Verbindungen als Stoffwechselprodukte her. Die Folge ist Mundgeruch.

Mundgeruch: Welche Rolle spielen Zahnbelag und Zungenbelag?

Zahnbelag stellt für potenziell pathogene Mikroorganismen, wie etwa Bakterien, willkommene Nischen dar. Haben sie sich einmal angesiedelt, so tragen sie selbst zur Aufrechterhaltung dieses Biofilms bei.

Zahnbelag ist ein haftfähiger Film auf den Zähnen. Er begünstigt die Bildung von Karies und von Zahnfleischentzündung (Gingivitis, Parodontitis, Periimplantantitis). So entstehen neue und ausgedehntere Rückzugsnischen für Bakterien.

Auch auf der Zungenoberfläche kann sich ein Zungenbelag bilden, meist weißlich oder gelblich. Die Zunge beherbergt sogar die meisten Mundbakterien! Denn da sie mit winzigen Höckern (Papillen) bedeckt ist, können auch dort Bakterien, andere Mikroorganismen, Nahrungspartikel und abgestorbene Zellen nisten. Der daraus resultierende Biofilm wird als Zungenbelag bezeichnet und kann zum Mundgeruch beitragen.

Zahnbelag und Zungenbelag: potenziell pathogene Mikroorganismen wie Bakterien verursachen Mundgeruch.

Im Zahnbelag können sich potenziell pathogene Mikroorganismen, wie etwa Bakterien, tummeln. Auch auf der Zunge kann sich ein Belag bilden, der dann Mundgeruch verursachen kann.

Bakterien und andere Mikroorganismen im Mund

„Warum nur hat die Natur für uns diesen gefährlichen Biofilm ersonnen?“ so mag man fragen. Aber Zahnbelag ist auch beim mundgesunden Menschen vorhanden. Er dämpft zum Beispiel die Stöße beim Kauen und erweist sich so als physiologisch sinnvoll. Auch befinden sich darin Mikroorganismen, wie Bakterien und Pilze; diese halten sich jedoch gegenseitig in Schach.

Das Risiko für Erkrankungen steigt erst dann, wenn das ökologische Gleichgewicht nicht mehr richtig ausbalanciert ist. Dann verschiebt es sich in Richtung der „sauerstofffürchtenden“ Bakterien (Anaerobier). Sie beginnen nun ihr zerstörerisches Werk, lösen Karies und Zahnfleischentzündung aus.

Wie hängen Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen zusammen?

Zahnbelag fungiert als Reservoir für Mikroorganismen. Ihnen bietet die Plaque eine Rückzugsnische. Hier ernähren sie sich, zum Beispiel von Zucker aus Nahrungspartikeln, und produzieren Säuren. Diese wiederum können den Zahnschmelz angreifen, was zu Karies führt.

Außerdem setzen die Mikroorganismen Stoffe frei, die zu Zahnfleischentzündung führen. Diese begünstigt gleichzeitig die Entstehung übler Gerüche durch Stoffwechselprodukte der Bakterien. Je nachdem, ob es sich (1) um eine oberflächliche Reizung handelt, die in einen entzündungsfreien Zustand zurückgeführt werden kann, oder (2) um eine chronische Zahnfleischentzündung, die den Zahnhalteapparat unwiederbringlich schädigt, werden diese Erkrankungen als Gingivitis oder Parodontitis klassifiziert.

Ein möglicher Grund für Mundgeruch: Zahnfleischentzündungen

Auch Zahnfleischentzündungen können die Entstehung übler Gerüche begünstigen und somit ein Grund für Mundgeruch sein.

Mundgeruch bei Parodontitis und Periimplantitis?

In Deutschland leiden 50,8 Prozent der Senioren über 65 Jahren an moderaten Parodontalerkrankungen und 24,6 Prozent an schweren Formen der Parodontitis (Warum es Parodontitis und nicht Parodontose heißt, erfährst Du hier). Unbehandelt führt Parodontitis zur Zerstörung des Zahnhalteapparates, zur Lockerung der Zähne und zum Zahnverlust. Des Weiteren stellen alle Zahnfleischerkrankungen einen Risikofaktor für Mundgeruch dar.

Tabelle 3: Häufiges Auftreten von Erkrankungen rund um den Zahn bzw. rund um das Implantat

Erkrankung

Anteil der betroffenen Senioren

moderate Parodontalerkrankung

50,8 %

schwere Parodontitis

24,6 %

Erkrankung

Anteil der betroffenen Implantatträger

Mukositis

43 %

Periimplantitis

22 %

Entzündungserkrankungen bedrohen auch speziell Implantatpatienten. Die Zahlen sprechen für sich: 43 Prozent aller Implantatpatienten leiden an Mundschleimhautentzündung (Mukositis) und 22 Prozent an Periimplantitis, einer Entzündung rund um das Implantat (Tab. 3).

Gegenüber den Parodontalerkrankungen rund um natürliche Zähne kommt beim Implantatträger ein Risikofaktor dazu: dem betreffenden Implantat fehlt die sogenannte Sulkusflüssigkeit. Diese am stärksten gegen Bakterien wirkende Flüssigkeit, die der Körper überhaupt produziert, sorgt bei Zähnen für einen effektiven Schutz gegen Krankheitskeime.

Wie Entzündungserkrankungen rund um einen natürlichen Zahn können auch Entzündungserkrankungen im Zusammenhang mit Implantaten als Nebeneffekt Mundgeruch mit sich bringen.

Entzündungen im Umfeld eines Implantates nennt man Periimplantitis.

Entzündet sich das Umfeld eines Implantates, so spricht man von Periimplantitis. Ebenso wie die Parodontitis kann sie ein Grund für Mundgeruch sein.

Spalträume als Nischen für Bakterien

Biofilme stellen natürliche Rückzugsgebiete für Bakterien und andere Keime dar. Darüber hinaus gibt es künstlich geschaffene Nischen. Sie können sich zum Beispiel an Metall- oder Keramikkronen oder -brücken bilden, wenn diese nicht ausreichend passgenau auf dem Zahnstumpf sitzen.

Das Unangenehme für den Patienten: Er hat keine Chance, Bakterien aus diesen unzugänglichen Spalten durch häusliche Mundpflege zu entfernen. Die einzige Möglichkeit besteht im Austausch der Krone oder Brücke gegen eine neue, die dann 100-prozentig passt.

Eine ähnliche Problematik kann sich bei Implantaten einstellen. Die künstliche Zahnwurzel besitzt klassischerweise ein Innengewinde, in das ein Aufbau-Element eingeschraubt wird. An der Schnittstelle können Spalträume auftreten. Dringen Bakterien ein, so integrieren sie sich womöglich in einen Biofilm und sind dann nicht „wegzuputzen“. Als Gegenmaßnahme kann ein dauerhaft desinfizierendes Mittel eingebracht und der Spalt mit einem dauerelastischen Versiegelungsmaterial (z.B. auf Silikonbasis) bakteriendicht verschlossen werden.

Was hilft gegen Mundgeruch?

Auf die Frage, was denn bei der häuslichen Hygiene gegen Mundgeruch hilft, gibt es eine einfache Antwort: alles, was auch gegen Karies und Zahnfleischentzündung hilft. Dazu fallen jedem sofort Zahnbürste und Zahnpasta ein, manchen auch Zahnseide. Warum nicht allen?

Zahnseide kommt dorthin, wo die Zahnbürste ihre Grenzen hat, ist aber nicht allerseits beliebt. Denn nicht jeder kann geschickt damit umgehen. Darum besteht auch eine gewisse Angst vor versehentlichen Verletzungen. Wer dennoch gewissenhaft seine Zahnzwischenräume reinigen möchte, der greift auf Interdentalbürsten zurück. Sie sind ebenfalls effektiv und lassen sich komfortabler handhaben.

Darüber hinaus gelangt auch Mundwasser in ansonsten unzugängliche Bereiche. Sie wirkt dort Karies und Zahnfleischentzündung entgegen. Damit stellt Mundwasser ein probates zusätzliches Mittel zur Prophylaxe von Mundgeruch dar.

Dies muss übrigens nicht bedeuten, dass man das Badezimmer über Gebühr mit weiteren Utensilien zustellt. Denn es gibt über Jahrzehnte bewährte Mundwasser-Konzentrate. Sie sparen Platz und bieten sich auch fürs leichte Reisegepäck an. Ein Mundwasser dieser Art wirkt antibakteriell, schützt vor Zahnfleischbluten, stärkt und strafft das Zahnfleisch und erfrischt bei jeder Anwendung. Empfohlen ist dreimal täglich.

Auch Zahnpasta ist als Konzentrat erhältlich. So passen diese beiden gegen Mundgeruch wirksamen Mittel – Zahnpasta und Mundwasser – in jede Handtasche.

Was auch nicht jedem auf Anhieb als Mittel für die häusliche Mundhygiene und gegen Mundgeruch einfällt, ist der Zungenreiniger. Dabei siedeln die meisten Bakterien des Mundes auf der Zunge – bis zu 80 Prozent von allen! So lassen sich hier bei geringem Aufwand mit dem Zungenbelag viele potenziell schädliche Bakterien entfernen. Auf diese Weise wird die Hauptursache von Mundgeruch einfach weggeschabt. Als „Fernwirkung“ reduziert sich sogar der Zahnbelag um bis zu 33 Prozent.

Eine gute Mundhygiene hilft dabei, Mundgeruch vorzubeugen oder zu bekämpfen: zum Beispiel mit Hilfe von Zahnpasta und Mundwasser als Konzentrat und Zungenreiniger.

Mundgeruch loswerden: Anwendung eines Zungenreinigers

Mit der Anwendung von Zahnbürste und Zahnpasta sind die meisten vertraut. Daher sei im Folgenden als „Tipp des Tages“ gegen Mundgeruch die Handhabung eines Zungenreinigers im Detail dargestellt, und zwar im Zusammenspiel mit einem Zungengel:

1. Schritt:

1 bis 2 Tropfen des Gels auf die Borsten des Zungenreinigers auftragen und mit sanftem Druck auf der Zunge verteilen.

2. Schritt:
Zungenreiniger umdrehen und den gelösten Zungenbelag von der Zunge entfernen, dazu den Zungenreiniger von hinten nach vorne ziehen.

3. Schritt:

Mund mit Wasser ausspülen und den Zungenreiniger nach Anwendung mit warmem Wasser reinigen.

4. Schritt:

Zungenreiniger nach 4 bis 6 Wochen austauschen.

Wird der Zungenreiniger ordnungsgemäß angewandt, so entfernt er zuverlässig den Zungenbelag und verhindert Mundgeruch. Das spezielle Zungengel sorgt zudem für eine langanhaltende Wirkung gegen Bakterien und für einen frischen Atem.

Zurück zur Übersicht